Klassik Heute : 10/10/10 review / Thomas Koppel
Klassik Heute Magazine
24 July 2007
Klassik Heute

Komponisten machen ihre Karriere oft dadurch, dass sie gewissen vorgeprägten stilistischen und gesellschaftlichen Erwartungen entweder entsprechen oder umgekehrt die damit entstehenden Hohlräume nutzen, wobei ein gewisser intellektueller Trend und ein je nach den Gegebenheiten progressives Image meist hilfreich ist. Ausnahmen wie Scelsi, Ives oder Satie werden irgendwann als solche registriert und vielleicht verstanden – der dänische Komponist Thomas Koppel dürfte gewiss zu ihnen zählen!

Koppel wurde 1944 in einem schwedischen Flüchtlingslager geboren (sein Vater war wegen seiner jüdischen Herkunft aus dem besetzten Dänemark geflohen), war als Pianist und Komponist eine herausragende Frühbegabung, bis er 1967/68 die Rockgruppe „Savage Rose" gründete, mit ihr vor allem in Skandinavien und Amerika Erfolg hatte, bis er in den 90er-Jahren schrittweise wieder „Partituren" schrieb, seit 1996 in Los Angeles lebte und zehn Jahre später in Puerto Rico starb, wohin er gerade seinen Wohnsitz verlegt hatte. Ein von Gidon Kremer bestelltes Violinkonzert kam über Skizzen nicht hinaus, aber seine hier eingespielten Konzerte geben über eine ungewöhnlich originelle und konsequente Komponisten-Persönlichkeit Auskunft. Es sind – und auch das passt ins Bild – Konzerte für ein lang tabuisiertes Instrument, die Blockflöte, und es sind Werke, die auf den ersten Blick eine filmmusikartige Aura mit romantischen und barocken Einschlägen haben, die aber bei allem Filigran, bei aller virtuoser Verspieltheit eine innere Ernsthaftigkeit und Glaubwürdigkeit ausstrahlen.

Das 1999 entstandene Los Angeles Street Concerto für Sopraninoblockflöte, neun Streicher und Celesta ist das hinreißende Abbild einer vibrierenden Großstadt, inspiriert von den Klängen, Figuren und Sounds musikalisch wirr verwirbelter Straßenmusiker, gewiss konventioneller im musikalischen „Material", aber damit auch realistischer als Ligetis San Francisco Polyphony. Zusammen mit Gidon Kremer und seiner Kremerata Baltica zeichnet Michala Petris geisterhaft fliegende, flirrende und singende Blockflöte ein ebenso liebevolles wie präzise konturiertes Bild der Metropole. Hier und in den beiden anderen jeweils fast zwanzigminütigen Werken präsentiert sich Michala Petri nicht nur als eine Ausnahmesolistin, die das zwielichtige Image der Blockflöte mit akrobatischem Charme und größter seelischer Intensität auf den Müllhaufen der Vorurteile befördert, nein, sie ist hier auch die Initiatorin, die sich für einen Komponisten einsetzt, der die pathetischen Selbstzerstörungen der Musikgeschichte mit ihren U-E-Pop-und Avantgarde-Spaltungen nicht respektiert. Auch dafür muss ihr hier ein engagierter Dank ausgesprochen werden!

Künstlerische Qualität:
10
Klangqualität:
10
Gesamteindruck:
10

Hans-Christian v. Dadelsen (29.06.2007)


Komponisten/Werke Interpreten
T. Koppel:
• Konzert für Blockflöte und Orchester (1990/1991)
• Nele's Dances für Blockflöte und Erzlaute (1991)
• Los Angeles Street Concerto für Sopraninoblockflöte, Streicher und Celesta (1999)


Michala Petri
Blockflöte
Lars Hannibal
Laute
Copenhagen Philharmonic Orchestra
Kremerata Baltica
Bo Holten
Klassik Heute Magazine

A delightful release, essential for Petri fans
Victor Carr Jr., ClassicalToday.com
27 July 2006
It turns out that there is more than one Danish composer with the surname Koppel. Not to be confused with Herman D.Koppel, Thomas Koppel, who died just this year, actually is Herman's son. Thomas lived up to his farther's legacy, producing music of equally high quality and originality ( though quite different in style). The two concertos on this present disc are fresh, lively, and often moving works that, although written in a freely tonal idiom, never become anodyne. Instead, the ear is continuously challanged by shifting colors and harmonies, and most certainly by the virtuoso solo writing that Michala Petri handles with considerable aplomb.

Moonchilds's Dream calls for recorder, an instrument that rarely has sounded so lovely and lively as here, freed from its usual baroque trappings. Koppel has it singing, swirling, and dancing in a most engaging manner. The sopranino recorder part in Los Angeles Street Concerto ( which sounds nothing like its name--no roving rock, jazz, or mariachi bands here ) is even more demanding, calling for exceptional virtuosity from Petri in both the soothingly serene passages and those in which she reminds us of a pipe. The richly atmospheric orchestral score is just compelling, especially as performed by the Copenhagen Philharmonic under Bo Holten ( Moonchild ) and Kremerata Baltica.

The poetry-inspired Nele's Dances is even more unusual. Scored for recorder and archlute, the 10 pieces form wordless songs, with Petri proving a most lyrical storyteller aided by Lars Hannibal's poignant accompaniments on the lute. Da Capo's recording present both the chamber and orchestral works in a natural-sounding, spacious acoustic, enhancing the aural pleasure. This is a delightful release, essential for Petri fans.
Victor Carr Jr., ClassicalToday.com